John Wimber - Gründer der Vineyard-Bewegung

john wimber wurde 1934 in einer nichtchristlichen familie geboren. wimber war, wie er selbst betont, ein "heide in der 4. generation". nach einer karriere als jazzmusiker erfährt wimber 1963 im zusammenhang mit eheproblemen eine bekehrung. wimber schliesst sich den quäkern an und wird dort schnell missionarisch äusserst aktiv: er gründet bibelkreise und führt nach eigener aussage hunderte von menschen zum glauben.
in anerkennung dieser evangelistischen erfolge wird wimber 1970 zum zweiten pastor seiner gemeinde, der yorba linda friends church ordiniert, und 1975 ans damalige charles e. fuller institute of evangelism and church growth berufen. daneben wirkt wimber auf vortragsreisen als gemeindeaufbau-berater. während seiner tätigkeit am fuller-institut kommt wimber in kontakt mit christen aus der dritten welt, die von der aufklärung weniger geprägt sind und ein weltbild vertreten, in welchem wunder und geister viel unbefangener platz finden als in der theologie der westlichen christenheit. wimber sieht diese tatsache in verbindung mit einer anderen: in manchen dieser länder der dritten welt machte das christentum zu jener zeit grosse zahlenmässige fortschritte, wogegen es dem westlich geprägten christentum nicht gelingt, eine beeindruckende zuwachsrate zu erzielen. daraus folgert wimber, dass zwischen dem glauben an wunder und geister und dem wachstum des christentums ein zusammenhang bestehen muss: erfolgreiche evangelisation lehrt auch den glauben an wunder und wird von solchen begleitet.
auf anregung des fuller-dozenten c. peter wagner hin, der meint, wimber solle seine erkenntnisse durch die gründung einer eigenen gemeinde umsetzen, wird wimber 1977 wieder pastor, wobei er aber keine gemeindegründung im engeren sinne tätigt, sondern einen hauskreis seiner quäkergemeinde, welcher sich seit geraumer zeit für charismatische gaben zu interessieren begann und in welchem wimbers frau carol sowie wimbers damaliger mitstreiter und heutiger nachfolger bob fulton mittaten, übernimmt und aus der quäkergemeinde herausführt. am 8. mai 1977 findet der erste gottesdienst der neuen gemeinschaft mit wimber als pastor statt. wimber schliesst sich mit seiner gemeinde dem calvary chapel-gemeindeverband von chuck smith an.
wimber versucht, in seiner gemeinde seine erkenntnisse zur bedeutung des übernatürlichen für die ausbreitung des christentums umzusetzen.
so beginnt wimber, für kranke um heilung zu beten, und seine gemeindeglieder in diesem dienst der krankenheilung zu schulen. erst nach zehn monaten kann wimber jedoch im Februar 1978 erste heilungserfolge vermelden.
mm muttertag 1979 erlebt wimbers gemeinde durch einen gastauftritt des jesus-people-evangelisten lonnie frisbee eine von wundern und manifestationen begleitete geistausgiessung. ein gottesdienst am muttertag 1981 führt dann gar zu eigentlichen massenphänomenen wie reihenweises "ruhen im geiste". diese erst im dienst von lonnie frisbee und dann 1981 verstärkt erlebten "zeichen und wunder" werden wimber und seiner gemeinde wichtig, wodurch wimber in einen gegensatz zu chuck smith gerät, der wundern und manifestationen gegenüber eher zurückhaltend ist. im april 1982 kommt es zur trennung. wimber verlässt mit seiner gemeinschaft die calvary chapel und schliesst sich mit dem kleinen verband "vineyard christian fellowship" von ken gulliksen zusammen, der sich schon vorher von der calvary chapel getrennt hatte. schon im mai 1982 sah sich wimber in der leitung des so entstandenen vineyard-verbandes.
im jahr 1983 verlegt wimber seine gemeinde von yorba linda nach anaheim.
wimbers gemeinde erfährt in der folge ein starkes wachstum, und geht dazu über, an anderen orten tochtergemeinden zu begründen. das sich daraus ergebende wachstum der vineyard-bewegung wird wesentlich verstärkt durch zahlreiche ursprünglich selbständige gemeinden, die sich der vineyard-bewegung anschliessen.
am fuller theological seminary hält wimber 1981 einen kurs unter dem titel "signs, wonders and church growth", in welchem wimber den von ihm selbst beobachteten zusammenhang zwischen zeichen und wundern und dem wachstum von gemeinden einer breiteren öffentlichkeit zugänglich macht. in den Jahren 1982 bis 1985 liest wimber an der fuller school of world mission über "the miraculous and church growth".
im jahr 1983 gründet wimber die organisation "vineyard ministries international", die weltweit kongresse und kurse, z.t. mit wimber als referenten, zu den themen der bedeutung des übernatürlichen in der evangelisation und zum heilungsgebet anbietet. wimber erreicht durch seine konferenzen ein grosses publikum. beeindruckend wirkt nach zeugnis der teilnehmenden wimbers persönliche ausstrahlung, seine integrität, sein verzicht auf showelemente und seine ehrlichkeit gegenüber eigenen grenzen.
eine krise in wimbers einsatz für den heilungsdienst ergab sich durch das im januar 1983 durchgeführte, erfolglose heilungsgebet für den anglikanischen charismatiker david watson.
wimbers erkenntnisse und erfahrungen fliessen auch in seine bücher ein, die in christlichen kreisen insbesondere der angelsächsischen welt reissenden absatz finden und die charismatische, aber auch teile der evangelikalen szene weit über die vineyard-bewegung hinaus massgeblich prägen: 1985 erscheint das buch "power evangelism" (deutsch: vollmächtige evangelisation, 1986), in welchem wimber seine these erklärt, dass evangelisation dann erfolgreicher ist, wenn sie von wundern begleitet wird. 1986 erscheint "power healing" (deutsch: heilung in der kraft des geistes, 1987), eine einweisung in das gebet um heilung. 1990 legt wimber mit "the dynamics of spiritual growth" (deutsch: fundamente für geistliches wachstum) eine einführung in den christlichen glauben vor, in welcher er seine spezifischen lehren von evangelisation durch zeichen und wunder sowie von heilungsdienst in einem betont orthodoxen protestantismus verankert.
in den folgenden jahren ist wimber durch die rasante ausbreitung seiner vineyard-bewegung in anspruch genommen. wimber gründet 1985 die association of vineyard churches (avc), die weltweite vereinigung der vineyard-gemeinden. als internationaler direktor der avc wacht wimber darüber, dass die lokalen gemeinden innerhalb der lehrvorgaben der vineyard-bewegung bleiben. sein pastorenamt in anaheim gibt wimber 1994 ab. eine expansion der vineyard-bewegung nach europa lehnt wimber in den achtziger jahren noch ab, in den neunzigern wird sie forciert betrieben.
im jahr 1989 leitet wimber eine neuausrichtung des hauptskopus des vineyard-engagements ein: war die zeit von 1981-89 geprägt von heilungsdienst und vollmächtiger evangelisation, ist es nun die prophetie, die für die nächsten jahre zum hauptthema der vineyard und von wimbers kongressen werden wird. wimber arbeitet in dieser "prophetischen phase" eng mit den sog. "kansas city"-propheten zusammen. doch bereits 1991 und 1992 macht sich bei wimber erste ernüchterung breit. das thema der prophetie verliert in wimbers dienst seither an bedeutung.
fürs jahr 1993 konstatiert wimber dann einen tiefstand der geistwirkung in der vineyard-bewegung, bei vielen vineyard-pastoren ist eine grosse sehnsucht nach neuen erlebnissen zu bemerken. der am 20. Januar 1994 auftretende toronto-segen füllt dieses vakuum.
zweimal muss wimber in der funktion als avc-präsident sich von teilen seiner bewegung trennen: 1995 wird die toronto airport vineyard, die "muttergemeinde" des toronto-segens, aus der vineyard-bewegung ausgeschlossen. trennungsgrund war die tatsache, dass wimber von der toronto-gemeinde erwartete, dass diese diejenigen sog. "manifestationen des heiligen geistes", die in der Bibel nur schwer wiederzufinden sind, etwa tierlaute, nicht mehr zulässt. die gemeinde in toronto mochte sich diesem druck nicht beugen.
ein Jahr später trennt sich wimber von der metro vineyard fellowship in kansas city, wo sich die "kansas city-propheten" weltweite beachtung verschafft haben. wimber und die kansas city-gemeinde können sich über das richtige mass der betonung neuer, zur bibel zusätzlicher prophetie nicht einigen (wimber lehnt im grunde eine verschriftlichung neuer prophetien ab).
nach 1995 reformiert wimber die organisation der vineyard-bewegung. die einzelnen landesverbände werden aus der autorität der avc entlassen, wenn sie eine gewisse grösse erreicht haben, und organisieren sich selbst. zur koordination der weltweiten bewegung wird ein leiterkreis geschaffen, welcher aber keine weisungsbefugnis hat . bis dato sind verselbständigt die verbände in den usa, kanada, grossbritannien, neuseeland und südafrika.
daneben führte wimber seine intensive vortragstätigkeit weiter. wimber legte seine erkenntnisse über zeichen und wunder sowie den heilungsdienst in zahlreichen kongressen dar. seine eigene gesundheit gab jedoch seit Jahren zu einiger besorgnis anlass. im april 1993 wurde bei wimber krebs diagnostiziert, der dann (mit chemotherapie) erfolgreich behandelt wurde. 1997 wurde eine bypass-operation notwendig. während der rekonvaleszenz von diesem eingriff starb wimber am 16. november 1997 an einer hirnblutung. nachfolger wimbers als haupt der vineyard-bewegung wird sein mitstreiter bob fulton.


